Die Nacht war die kälteste bislang. Vorletzte Nacht hatten wir noch die Klimaanlage an, heute mussten wir heizen. Deswegen gibt’s den ersten Kaffee auch im Bett.
Dann wandern wir den ‚Hat Shop‘ Trail entlang. Der ist zwar etwas weniger spektakulär als gestern, aber wieder ganz anders – viel mehr grün und Bäume – und sehr steil.
Loch in einer Felswand
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Einige Hoodoos haben Hüte aus Stein auf, diese schützen sie vor dem Regen und damit vor der Erosion. Sind sie weg, beschleunigt sich der Zerfall.
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Mittagspause – Ines zaubert ein leckeres Essen.
Dann ein Mittagsschlaf – das tat gut! Erst jetzt merken wir, dass uns die erste Wanderung ganz schön geschafft hat.
„Tower Bridge“ Ines bleibt liegen, ihre Erkältung ist immer noch nicht ganz weg. Ich mache mich auf den ‚Tower Bridge‘ Trail. Auf dem Weg dorthin sehe ich die China Wall. Der Weg steckt erneut voller überwältigender Landschaften. Ab und zu wächst ein Baum trotzig auf unwirtlichem Fels. Wenn ich stehen bleibe, herrscht absolute Stille. Eine Situation, die man gar nicht mehr kennt. Zwischendurch bin ich lange der einzige Mensch. Ich mache Rast und esse und trinke etwas.
Nur ich, mein Schatten und die „China Wall“ Hier unten im Tal bin ich der einzige. Man kann wegen der Bäume nicht mehr weit schauen und wird etwas mulmig, völlig alleine. Erinnerungen an die Warnungen vor Bären und Berglöwen kommen mir in den Sinn. Aber ist das nicht auch mit ein Grund für solche Touren? Ich verkürze meine Pause und mache mich auf den Rückweg. Ich treffe niemanden mehr.
Wegen der Abwesenheit größerer Städte ist es hier im Park so dunkel, dass wir einen faszinierenden Sternenhimmel beobachten können.
Irgendwie kommen wir heute nicht in die Gänge. Wir frühstücken später und länger als geplant. Vielleicht ist es die eine Stunde Zeitverschiebung zu Kalifornien. Vielleicht liegt es auch am Blick vom Bett aus dem Fenster auf den Sonnenaufgang auf dem Canyon.
Blick aus dem Bett Irgendwann fahren wir dann los und durch den Zion Park hindurch. Weil unser RV Übergröße hat, müssen wir ein spezielles Tunnel Ticket erwerben und fahren im Konvoi durch den engen Tunnel. Dieser ist nur etwas höher als unser Wohnmobil und nicht breit genug, dass zwei Autos an einander vorbei fahren können. Geschweige denn zwei Wohnmobile. Außerdem ist er drinnen schwarz und nicht beleuchtet. Es ist sehr unangenehm, dort durch zu fahren.
Nach weniger als 90 Meilen kommen wir nach angenehmer Fahrt im Bryce Canyon an. Dieser empfängt und mit einem Felsentor, durch das wir hindurch fahren. Sehr schön, das fängt ja gut an! Hier ist es sonnig, aber deutlich kühler. Nachts soll es sogar Frost geben können. Aber zum wandern genau richtig.
Der Campground hier ist einfach und ohne Full-Hook-Up. Dafür aber sehr ruhig und die Nachbarn sind weit weg.
Wir essen noch Mittag und los geht’s. Der Trail startet ganz dicht am Campground. Wir müssen eine kleine Steigung überwinden, um ihn zu erreichen. Oben angekommen, fällt uns bereits die Kinnlade herunter. Wir sehen eine unfassbar schöne felsige Landschaft. Wir sind wirklich baff; so etwas haben wir noch nicht gesehen. Wir wandern einige Wanderwege entlang. Ich schieße unzählige Fotos, ich kann nicht anders. Hinter jeder Kurve gibt es andere Formationen zu sehen.
Bryce Canyon
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Der Canyon ist nach der Familie Bryce benannt und durch Vulkan Aktivitäten entstanden. Er ist Teil des Colorado Plateaus, welches sich über vier Bundestaaten erstreckt und befindet sich in Utah.
Die Landschaft hier ist in einem ständigen Wandel, weil die Erosion weiterhin die beeindruckenden Felsen formt. Immer wieder Stürzen einzelne Säulen (Hoodoos genannt) ein, oder Teile davon. Manchmal entsteht ein Bogen. Auch ganz neue Felsen kommen im Laufe der Jahre ans Licht.
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Amphitheater Auf unserem Weg kommen wir u.a. am „Amphitheater“, den Felsen mit den Namen „Queen Victoria“ und „Thors Hammer“ vorbei und durch „Queens Garden“. In einer engen Schlucht stehen zwei große Bäume. Das wirkt dort sehr imposant und ist deswegen ebenfalls ein begehrtes Fotomotiv. Aber der Weg selbst ist auch beeindruckend; er nennt sich „Wallstreet“ und schlängelt sich schier endlos im Zickzack nach oben. Am Ende erreichen wir kurz vor dem Sonnenuntergang einen hochgelegenen Aussichtspunkt. Der Blick in die von der Abendsonne erleuchteten Ferne lässt uns ehrfürchtig inne halten. Dieser Canyon ist wirklich einmalig. Meine Speicherkarte ist fast voll und die Akkus fast leer. Unsere auch. Insgesamt sind wir heute über zehn Kilometer gewandert.
Schlucht am Ende der ‚Wallstreet‘
Abends gibt’s auf unserem Profi-Grill gegrillte Burger. Dann fallen wir glücklich und zufrieden ins Bett.
Wir lassen Las Vegas hinter uns und fahren Richtung Nord-Osten über Arizona nach Utah. Hier müssen wir die Uhren umstellen, denn hier gilt UTC -6, also nur noch acht Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland.
Die Strecke ist sehr schön und die Fahrbahn gut. So macht das Fahren Spaß!
Ein Großeinkauf bei Walmart füllt unsere Vorräte. Jetzt haben wir auch einen Grill. ?
Wir nehmen den Zion RV Park direkt am Eingang des National Parks mit Blick auf den Anfang des Canyons. Er hat Full-Hook-Up und von hier aus fahren kostenlose Shuttle durch den Park.
Wir nehmen den nächst besten und sind beeindruckt. Der Zion National Park ist der Hammer – steile Hänge und majestätische Gipfel ragen sich vor uns auf. Wir gondeln durch den wunderschönen Canyon und machen begeistert viele Fotos. Einmal steigen wir aus, haben aber keine rechte Lust zu wandern. Es ist wahnsinnig heiß; unsere Hosen zeichnen feucht die Kontur der Sitze nach. Die Shuttle haben offene Fenster, so sieht man alles.
Zion National Park
Nach der Rückkehr benötige ich über eine halbe Stunde, um den Grill zusammen zu schrauben. Aber es lohnt sich, für 13 Dollar kann man nicht meckern. Der ist richtig gut und wird bestimmt noch ein paar mal verwendet. Heute grillen wir einen Lachs auf einem Buchenbrett und Rindersteak. Dann beenden wir den schönen Tag mit einem Spaziergang unter einem hellen Sternenhimmel.
Unser RV ist immer noch riesig. Drinnen haben wir uns an den Platz und Komfort gewöhnt. Das Bett ist groß und sehr bequem. Full-Hook-Ups sind super und fehlen auf europäischen RV-Parks. Überhaupt fehlen spezielle RV-Parks und so große RVs.
Camping war die richtige Entscheidung für diesen Urlaub. Wir kommen abends immer nach Hause, und müssen nicht ständig Koffer aus- und einpacken. Die Straßen sind breit und die Brücken meistens hoch genug für so große Fahrzeuge.
Keine Seltenheit – RV in Busgröße
Hier ist sowieso alles größer – die Wohnmobile und Straßen, die Supermärkte, die Bäume, sogar der Himmel und die Burger. Das Fast Food insgesamt ist toll hier und schmeckt besser als bei uns. Zum Beispiel gibt es Taco Bell mit tollem mexikanischen Essen. Die Buritos sind am besten.
Der größte Bildschirm der Welt
Der Westen der USA ist unglaublich abwechslungsreich – Wüste, Berge und Meer, Las Vegas und lass‘ mal lieber weiter fahren!
Auffallend ist, wie gut alles organisiert ist und ohne den deutschen erhobenen Zeigefinger auskommt. Wir fühlen uns hier frei, es klappt mit weniger offensichtlichen Regeln auch sehr gut.
Lagerfeuer – ausdrücklich erlaubt
Überall gibt es WLAN und kostenlose Trinkwasser-Stationen. Das Einkaufen macht hier sogar Spaß.
Entgegen meiner Vorurteile gibt es hier auch fast überall gesundes Essen (wenn man es sucht) und Solaranlagen und Windräder. Trotzdem sind viele Spritschlucker unterwegs; laut Sound mindestens mit Acht-Zylinder-Motoren. Die klingen schon geil. Vor dem Hintergrund wirkt die Debatte um den VW-Abgas-Betrug etwas skurril.
Die Amerikaner sind alle ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Und wir haben niemals das Gefühl, dass sie nur unser Geld wollen. Überall gibt es Visitor Center, mit Informationen zur Umgebung.
Mittlerweile haben wir das richtige Gefühl für das große Fahrzeug und das dünne Klopapier.
Wir schlafen aus und frühstücken lange.
Die anderen Camper sind verrückt. Sie putzen und kärchern ihre RVs. Unser Nachbar benutzt sogar eine Zahnbürste (!) für das Typenschild auf seinem dreiachsigen Monster! Es ist alles wie geleckt, sogar die Hook-Up-Anschlüsse blitzen. Ich habe neulich drinnen mal gefegt. CasinoWir fahren wieder mit dem Bus in Zentrum. Es ist so heiß, dass Klimaanlagen eine reine Wohltat sind. Hier gibt es Klein-Venedig mit Rialtobrücke, Kanälen, Gondeln und dem Dogenpalast. Wasserfälle, der Eiffelturm (mit immerhin einem Drittel der Größe des echten) und Triumphbogen sind gleich nebenan. Außerdem gibt es noch einen Vulkan, der echtes Feuer speit, eine große Pyramide, eine Sphinx und tausend weitere Dinge entlang des sieben Fahrspuren (pro Richtung) breiten Strips. Das ist wirklich alles gigantisch und noch größer, als wir es uns vorgestellt haben. Es ist zwar alles künstlich, aber leider geil.
Obwohl sich alles hier um die Casinos dreht, verspüren wir keinen Reiz zum spielen. Von Papa gibt es 100 $ zum Verzocken. Das ist mal cool! Wir spielen also doch. Und es macht Spaß. Es ist etwas vollkommen anderes, ob man anderen zusieht oder es um das eigene Geld geht. Die 13 bringt uns Glück beim Roulette im Mandelay Bay. Die Slot Machine leider nicht. Macht nichts, wir bleiben im Plus. Wir sind reich!
Später fahren wir nach Down Town. Dort sind die älteren und weniger spektakulären Hotels. Alles blinkt entlang der Freemont Street. Die Straße ist überdacht mit dem größten Monitor der Welt. Im Golden Nugget sind es die 23 und 30, die unseren Reichtum mehren.
Am Ende sind aus den hundert 188 $ geworden und wir hören auf. Letzte Station ist der Stratosphere Tower. Ein hoher Turm mit Aussichtsplattform und Fahrgeschäften. Er ist etwas enttäuschend und lohnt die 20 $ nicht.
Viva Las Vegas! Es war toll. Und wir wollten erst gar nicht hin..
Es geht heute durch das Death Valley – Tal des Todes – nach Las Vegas.
Es ist einer der trockensten Gegenden Weltweit und einer der heißesten Orte Amerikas. Die Berge auf beiden Seiten halten den Regen ab. Im Sommer verbieten es die Wohnmobilvermieter dort durch zufahren. Die nicht endenden Steigungen bei den Temperaturen sind für viele Motoren zu viel.
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„Am 10. Juli 1913 wurde bei Greenland Ranch (heute bekannt als Furnace Creek Ranch) vom National Weather Service eine Temperatur von 134 °F (56,7 °C) gemessen[3]. Am 12. Juli 2012 wurde im Death Valley mit 107 °F (41,7 °C) die wärmste nächtliche Tiefsttemperatur gemessen“ Wikipedia
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Wir dürfen, wenn es unter 115 Grad Fahrenheit bleibt. Es werden nur 99 Grad F, also 37 Grad Celsius und somit kein Problem. Trotzdem ist es einfach nur heiß.
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Grad in Celsius = (Grad in Fahrenheit – 32) / 1,8
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Mehrere hundert Meilen sehen wir eine tolle Landschaft mit nicht endenden Bergketten. Kein Wunder, dass das die schönste Strecke nach Las Vegas sein soll.
Zabriskie Point, Death Valley
Oft geht es 10 Meilen und mehr immer geradeaus, dann kommt eine kleine Kurve und noch weiter geradeaus. Auch hier ist das Fahren die reinste Freude.
Am Zabriskie Point halten wir und steigen aus. Es ist HEISS! Aber die Wärme ist trocken und ist deshalb auszuhalten. Wir sehen tolle, goldene Felsformationen. Als wir weiter fahren, überholen wir etwas später einen Radfahrer (!). Wohin der will, bleibt sein Geheimnis. Es kommt nichts, die nächsten hundert Meilen.
Wann war eigentlich die letzte Kurve?
Nach dem Death Valley beginnt Nevada.
Uns überkommt der Hunger, also gibt es Burger bei Denny’s.
Viva Las Vegas… Obwohl heute die längste Strecke unser Reise ist, sind wir bereits kurz vor vier da. 103 Fahrenheit! Hier ist es wärmer als im Death Valley.
Der Oasis RV-Park ist unser Platz für die nächsten Nächte. Es ist ein Resort mit den Annehmlichkeiten eines Hotels mit Lobby, Pool und Restaurant. Es ist der beste Campground bisher und so groß, dass die Wege für die einzelnen Stellplätze sogar bei Google Maps eingezeichnet sind.
Nur die Kopie, trotzdem imposant
Wir relaxen zunächst am Pool und fahren dann
mit dem Bus auf den Strip. So heißt die Straße mit den größten Casinos. Wir sehen eine Wassershow beim Bellagio, bummeln etwas und essen Pizza. Das Wasser kostet acht Dollar, aber Cola Free Refill nur zwei. Bier kostet überall mindestens fünf Dollar.
Fast hätte ich die Kamera liegen lassen, war wohl genug für heute.
Das schöne daran, wenn man keine Hook-Up-Stations oder sonstige Anschlüsse hat, kann man nach dem Frühstück einfach los fahren, ohne noch etwas abstöpseln zu müssen. Wir fahren die Tioga Road Richtung Westen und überqueren auf 3000 Meter die höchste Stelle.
An einem Zwischenstopp haben wir noch mal einen Blick auf den Half Dome von der anderen Seite.
Im Hintergrund (Mitte) sieht man noch den Half Dome
Am beeindruckenden Mono Lake biegen wir auf den Highway 395 Richtung Süden. Es ist die beste Straße, die wir bislang gefahren sind. Endlich mal neuer glatter Asphalt!
Auf der Straße sehen wir immer wieder große RVs mit zusätzlichem PKW dahinter gehängt. Die meisten sind noch größer als unseres und haben oft drei Achsen.
Unser Reiseführer schlägt unbedingt einen Abstecher zum Obsidian Dome vor. Das ist eine zwanzig Meter hohe natürliche Aufschüttung aus Lavagestein, die sich über zwei Meilen erstreckt. Erreichbar ist der Dome nur über eine drei Meilen lange Schotterpiste. Nicht ganz die ideale Strecke für ein über-sieben-Tonnen-Vehikel. Deswegen lassen wir es am ersten Parkplatz stehen und gehen zu Fuß weiter. Es ist viel weiter als gedacht. Als wir schließlich umkehren wollen, kommt ein alter VW-Bus mit zwei entspannten Herren vorbei gehoppelt. Sie sind mitte-siebzig, Hobby-Geologen und bieten an uns mit hin und auch wieder mit zurück zu nehmen. Thilo ist 1980 aus Deutschland ausgewandert und Jean ist Amerikaner. Sie erzählen uns viel über den Vulkan und das bei dem Ausbruch entstandene Glasbasalt. Das schwarze Gestein ist Obsidian und Namensgeber für den Dome.
Das Vulkangestein ist nicht so schwer
Die Eruption fand am 28. September 1350 statt. Wir sind also zufällig am Geburtstag hier. Thilo hat heute ebenfalls Geburtstag.
Weiter geht es auf dem Highway mit wirklich spektakulärer Aussicht. Das riesige längliche Tal, durch das wir fahren ist ab Bishop gesäumt von zwei Bergketten.
Unser Stop für heute ist Lone Pine. Beim Tourist Information Center erfahren wir, die Unterschiede zwischen Campground und RV Park. RV Parks sind für Wohnmobile und eigentlich immer mit Full-Hool-Ups ausgestattet. Campgrounds sind eher für Zelte und bieten weniger Luxus. Unser RV-Park für diese Nacht ist super, der beste, den wir bislang hatten und in wundervoller Lage mit Blick auf die Berge. Es ist bereits sehr warm, man merkt, wir nähern uns dem Death Valley.
Unser Wohnmobil kommt uns hier mickrig vor. Fast alle anderen sind größer und haben einen PKW dahinter gehängt.
Das erste mal nutzen wir die Markise. Natürlich fährt sie elektrisch raus ?.
Der Campingplatz hier ist sehr weitläufig. Die nächsten Nachbarn sind weit weg. Hier ist absolute Ruhe.
Mit dem Wohnmobil fahren wir ins Yosemite Valley. Das ist die sehenswerteste Stelle im National Park und ein unglaublich schönes Tal, flankiert von zwei beeindruckenden Bergen namens El Capitan und Half Dome.
Yosemite National Park
Weil der Reiseführer uns vor langen Staus gewarnt hat, sind wir sehr früh unterwegs.
Die Straße ist zum Teil sehr eng und wir passieren einige Tunnel. Vor jedem Tunnel ist ausgeschildert, wie hoch dieser ist. Plötzlich bremse ich scharf und halte an. An einem steht 10′ 4″ – unser RV hat aber 12′ 6″. Warum warnt der Reiseführer oder sonst jemand nicht viel früher? Ich sehe mich schon rückwärts die kurvigen Straßen zurück fahren. Nachdem der Puls wieder etwas niedriger schlägt, sehen wir den Zusatz „an der Bordsteinkante“; in der Mitte ist der Tunnel deutlich höher und wir passen durch. So viel Stress am frühen Morgen!
Mir fällt auf, dass die Amerikaner die Gegend weniger kommerziell ausschlachten als gedacht. Es gibt ein Besucherzentrum mit Informationen zur Gegend, kostenlose Shuttle Busse zu den verschiedenen Wanderwegen und Aussichtsplätzen, kostenlose Toiletten und sogar Duschen ist hier möglich. Eichhörnchen und Hirsche sind so sehr an die Menschen gewöhnt, dass sie zwischen den Besuchern herum laufen. Am Start unser ersten Wanderung sehen wir, wie mehrere Bergretter mit einem Helikopter abgeholt werden. Irgendwo muss etwas passiert sein.
Rettungsflug
Wir wandern einige Stunden durch die Natur und betrachten die Felswände, von denen sonst die Wasserfälle stürzen. Zu dieser Jahreszeit sind sie leider trocken.
Nach einem warmen Mittagessen im Wohnmobil – wir haben ja alles dabei ? – geht es weiter zum Mirror Lake. Der hat nur zurzeit ebenfalls kein Wasser. Es ist also „nur“ ein Sandboden zu sehen. Trotzdem sehr schön.
Mirror „Lake“
Auf einem Schild stehen Tipps, wie man sich verhält, falls ein Berglöwe kommt. Man soll sich auf jeden Fall wehren, falls er angreift. Aha! Nun gut, als wir da sind, kommt keiner.
Zurück auf dem Campingplatz, sammle ich eifrig Feuerholz. Das gibt es hier in rauen Mengen. Zum obligatorischen Lagerfeuer gibt es Burger. Herrlich!
Baumrinde brennt sehr schlecht und geht oft wieder aus. Das ist bestimmt das Geheimnis der Bäume mit dem verkohlten Stamm, aber grünen Kronen.
Immer wieder der bange Blick auf die Anzeige
Leider konnten wir kein frisches Wasser für unseren Wassertank auftreiben. Obwohl es jetzt wirklich knapp wird, motivieren unsere Füße uns, trotzdem zu duschen.
Ines geht es glücklicherweise langsam besser. Auf dem Weg tanken wir zu teuer. Ein paar Meter weiter wäre es 50 $ günstiger gewesen. Ärgerlich! Seit dem letzten Stop haben wir 31 Liter Super / 100 km verbraucht. Für eine kleine Wohnung mit dem Luftwiderstand einer Bergwand ok. Aber die fast 200 $ belasten die Urlaubskasse schon.
Um Nachschub zu holen, geht’s zu Walmart. Das ist wirklich Erlebniseinkaufen. Große Parkplätze, drinnen gibt es kostenloses WLAN. Und für die dicken oder fußlahmen Kunden stehen Elektroshopper bereit, mit denen sie ihren Einkauf machen können. Damit will ich auch mal fahren. Außerdem wird einem der Einkauf an der Kasse systematisch in Tüten gepackt. Das ist echt mal cool. Eine Tüte mit Obst und Gemüse, eine mit Dingen für den Kühlschrank, fürs Bad, etc. Ich hatte das schon mal gehört, aber ich hatte nicht gedacht, wir praktisch das ist.
Angekommen im Yosemite National Park erfahren wir, dass wir Glück haben. An sechs Tagen im Jahr ist der Eintritt frei und heute ist einer davon.
Unser Campground heißt Crane Flat und ist ohne Strom geschweige denn Hook-Up-Station. So wie die vielen anderen Campingplätze hier im Park. Mal sehen, wie sich unser Hitech-Camper damit schlägt. Besser gelegen sind die Plätze direkt im Yosemite Valley, aber die sind alle schon seit Monaten ausgebucht. So müssen wir morgen die ca. 15 Meilen hin- und wieder zurückfahren.
Der Stellplatz ist zu schief, unsere Jacks können nur korrigieren; es bleibt etwas schräg.
Hier herrscht große Bärengefahr, Lebensmittel dürfen nur in speziellen Metallbehältern aufbewahrt werden oder im Wohnmobil. Im Zelt sind sie verboten.
Auf unserem ersten Spaziergang durch die nähere Umgebung sehen wir viele verbrannte Bäume. Einige sind oben trotzdem grün. Aktuell herrscht hier sehr hohe Waldbrandgefahr. Trotzdem dürfen wir ein Lagerfeuer machen. Das Holz darf man sich hier einfach in Wald suchen. Natürlich nur herunter gefallenes. Das ist unkomplizierter als bei uns.
Lagerfeuer in Crane Flat Der Frischwasser-Anzeige warnt vor zur Neige gehendem Tank. Jetzt schon? Das geht schneller als gedacht. Also fällt morgen früh das Duschen aus.