Mein persönlicher Tag fängt damit an, dass ich einen frischen, akkuraten Möwenschiss auf meiner Hose entdecke. Während ich mich frage, wann das passiert ist, stellen wir fest, dass unsere Abwasseranzeige offensichtlich nicht läuft. Im Bad schwimmt unter anderem unsere Schmutzwäsche in einer braunen Brühe. Geht ja gut los heute! Zum Glück sind Abwasser und Toilette voreinander getrennt. Nicht auszudenken…!
Die Wettervorhersage für heute ist nicht gut. Unser Tagesausflug führt uns heute zur Otago Halbinsel, die direkt bei Dunedin beginnt. Auf dieser Halbinsel soll man vielen Tierarten leicht begegnen können.
Unser erster Stopp führt uns zum Royal Albatros Zentrum. Nach einer Einführung durch unseren motivierten Guide und einen Film über die Otago Halbinsel und die Aufzucht der Albatros Kolonie, steigen wir auf den Hügel hinauf. Dort können wir hinter Glasscheiben einen traumhaften Blick auf die Kolonie genießen. Den ganzen Tag war es windstill. Aber die Albatrosse benötigen starke Aufwinde zum Fliegen. Und jetzt ist es plötzlich sehr windig. Was für ein Glück! Zahlreiche Albatrosse fliegen. Das ist ein wundervoller Anblick. Entweder sie spreizen ihre gewaltigen Flügel und gleiten einfach nur oder sie kommen ganz tief übers Wasser angeflogen, um die Aufwinde am Berg zu nutzen, um dann in Sekunden auf unserer Höhe zu sein. Wir könnten stundenlang zuschauen.
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Albatrosse werden bis zu 60 Jahre alt und haben eine Spannweite von über 3 Metern. Während der Aufzucht erreichen Jungtiere ein Gewicht von 12 kg. Das ist insofern beachtlich, weil ausgewachsene Vögel „nur“ noch etwa 7 kg wiegen. Die Jungen brauchen viel Energie zur Entwicklung der Flügel.
Sind die dann flügge, machen die sich treuen Eltern ein Jahr Pause, bevor sie ein weiteres Ei brüten. Die Jungen verbringen dann fünf Jahre nur auf dem Wasser, bevor die wieder an Land kommen. Die Hauptnahrung ist Tintenfisch. Hier auf der Otago Halbinsel befindet sich die einzige Kolonie auf dem Festland weltweit.
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Über eine Schotterpiste geht’s zu Allans Beach. Die Seehunde sind unser Ziel. Über einen kleinen Trampelpfad durch Wiesen und Dünen geht es an den großen fast menschenleeren Strand. Ein traumhafter Anblick! Vielleicht wegen des durchwachsen Wetters. Einen Seehund finden wir gleich am Anfang. Wir halten den empfohlenen Anstand von zehn Metern ein. Ist das der einzige? Wir gehen weiter und sehen zunächst keinen. Als ich eine angespülte Alge inspizieren möchte, bellt mich plötzlich ein Seehund unmittelbar vor mir an. Ich wäre beinahe in ihn reingelaufen. Ich weiß nicht, wer sich mehr erschreckt hat.
Dann sehen wir noch mehr. Unglaublich, dass wir hier fast alleine sind.
Auf dem Rückweg wollen wir noch zu Larnach Castle. Das ist eine Burg nach schottischem Vorbild, die ein reicher Bürger bauen lies, um seine adelige Frau zu beeindrucken. Auf dem Weg dorthin fahren wir eine für unser Wohnmobil etwas schmale, kurvige Strecke den Berg nach oben. Es regnet. Als wir weiter nach oben kommen, sind wir in den Wolken.
Abends gibt es Chili Con Carne. Bei diesem Wetter genau das richtige.
Natürlich reist es sich mit Kind anders. Wir brauchen morgens immer sehr lange, bis wir abfahrbereit sind. Aber wenn Leander abends auf meinem Bauch einschläft und im Schlaf noch lacht, entschädigt alleine dieser Moment für jede Verspätung.